XXL-Leseprobe

Es wird Zeit für die „Seelenspringerin“ von Sandra Florean. Das Buch erschien im vergangenen Jahr im Drachenmond Verlag.

 

Klappentext

„Nicht unsere Worte machen uns zu besseren Menschen, sondern unsere Taten“
Tess verfügt über die unkontrollierbare Gabe, in das Bewusstsein übernatürlicher Wesen zu springen. Ein Albtraum für die junge Frau, da sie dabei Zeuge von Gewaltverbrechen wird, die sie jedoch nie verhindern kann. Mit einem Mal häufen sich die Sprünge und Tess ahnt, dass das kein Zufall sein kann. Sie vertraut sich dem Polizisten Jim an und hilft ihm schließlich bei der Aufklärung der Morde. Dadurch begibt sie sich so tief in die Welt der Übernatürlichen, dass sogar der Vampirgebieter Octavian auf sie und ihre Kräfte aufmerksam wird …

 

XXL-Leseprobe aus Kapitel 1

»Hat es dir geschmeckt?« Randolph musterte sie aufmerksam und Tess wurde das Gefühl nicht los, dass er etwas anderes hatte fragen wollen.
Sie nickte unbestimmt und schwieg. Der Kellner stellte einen Moment später eine ähnliche gleiche Frage und räumte nach ihrem erneuten wortlosen Nicken die Teller ab.
»Soll ich dir einen Wein bestellen oder möchtest du gehen?«
Grüne Augen sahen sie fragend an. Darunter das ehrliche Lächeln, das ihr gefiel.
»Was möchtest du denn?«, fragte sie, ehe sie sich bewusst wurde, wie diese Frage auf ihr Gegenüber wirken musste.
Randolph war ein interessierter und charmanter Gesprächspartner. Er war Anfang dreißig, Chef einer Handwerksfirma und trainierte im hiesigen Fußballverein den Nachwuchs. Laut Gabbi war er eine gute Partie. Tess hatte jedoch kein Interesse an einer guten Partie. Obwohl sie den Abend genossen hatte, passte eine gute Partie schlichtweg nicht in ihr Leben.
»Ich würde gern den Rest der Nacht mit dir verbringen.« Er grinste, wissend, wie mehrdeutig die Antwort klang. Randolph erschien ihr dennoch nicht wie der Typ Mann, der eine Frau mit einem schicken Restaurant beeindrucken wollte, um sie ins Bett zu kriegen.
»Möchtest du das?« Sie schmunzelte.
»Du bist eine hübsche und kluge Frau«, antwortete er und griff über den Tisch hinweg nach ihrer Hand. »Es war ein schöner Abend mit dir. Ich möchte dich näher kennenlernen und mehr über dich erfahren.«
Sie lächelte geschmeichelt und senkte, verlegen von seinen offenen Worten, den Blick. Als sie wieder hochsah, war Randolph weg.
Stattdessen sah sie einen anderen Mann vor sich. Er war nackt und lag bäuchlings auf einem Tisch, der die gleiche Größe hatte wie der Esstisch im Restaurant. Seine Arme und Beine waren mit dicken Seilen an den Tischbeinen fixiert, die Haut an den Gelenken aufgescheuert. Überall um ihn herum war Blut. Auf dem Tisch, dem Boden, auf seiner Haut. Sogar in seinen Haaren. Sie stand hinter ihm, ein Messer in der Hand. Es war nicht ihr Körper, in dem sie steckte. Es war der eines Fremden. Dennoch spürte sie alles ganz genau: das Gewicht der Klinge in ihrer Hand, die kühle Luft auf der nackten Haut und die Erregung, die diesen Leib zitternd durchlief. Sie ließ das Messer fallen und trat angewidert zurück. Der Gefesselte schrie auf. Tess erschrak. Es war lange her, dass sie so unvermittelt in einen anderen Körper gesprungen war. Hatte sie vergessen, ihre Tabletten zu nehmen? Das konnte sie sich nicht vorstellen, da es zu einem festen Ritual geworden war. Wie Zähneputzen.
Tess hatte sich geschworen, nie wieder hinzusehen, wenn sie einen fremden Körper übernahm. Zu groß war das Grauen, das sie jedes Mal erblickte. Was sollte sie tun?
Ohne es zu wollen, blickte sie auf den Mann hinunter. Er hing schlaff und blutend in seinen Fesseln. Sie konnte ihn unmöglich hierlassen, doch sie wusste, dass sie keine Wahl hatte und ihr nie viel Zeit blieb. Sie schluckte den Ekel herunter, straffte die Schultern und sah sich mit diesen fremden Augen um.
»Kleiner Raum mit feuchten, teilweise schimmeligen Wänden. Dunkler Lehmfußboden«, sprach sie ihre Beobachtungen leise aus, um sie sich besser einprägen zu können.
Sie wollte sich das Opfer nicht ansehen und untersuchte stattdessen den Raum. Eine Blutspur führte vom Tisch weg an die hintere Wand. Dort entdeckte sie ein eisernes Gestell, das an die nackte Mauer genagelt war. Eine Schlinge, deren Zweck sie erst beim zweiten Hinsehen erkannte, hing neben den Handschellen vom Kopfteil herunter. Der Boden darunter war nass. Sie schauderte und versuchte, die Erregung zu ignorieren, die diese Hülle noch immer in heißen Wellen durchlief.
»Ein Folterkeller. Keine Fenster, keine Spiegel«, flüsterte sie und sah an sich herab. »Männlicher Körper, erregt, überall Blutspritzer und … Sperma. Blut unter den Fingernägeln, sehr blasse Haut. Tiefe Stimme, sonderbarer Akzent. Möglicherweise skandinavisch oder deutsch?«
Sie sah sich im Raum um und wandte sich dann dem Mann auf dem Tisch zu. Der fremde Körper gehorchte ihr widerwillig, als sie um den Tisch herumging.
»Männliches Opfer, weiß, etwa Anfang zwanzig, dunkle, kurz geschorene Haare. Gerötetes Tattoo auf dem rechten Schulterblatt. Anker mit Kompass. Sieht neu aus. Brutal vergewaltigt. Vielleicht schon seit Stunden.«
Sie schluckte. Der junge Mann war nicht mehr bei Bewusstsein. Vielleicht war das ein Segen, denn helfen konnte sie ihm im Moment nicht.
»Messerschnitte an den Armen und Schenkelinnenseiten, mehrere im Rücken. Ein tiefer Einschnitt am Hals, vielleicht verursacht durch die Drahtschlinge am Bett.«
Sie wankte auf die Tür zu. Es war schwierig, in einem größeren oder schwereren Körper zu agieren und sie verschwendete kostbare Sekunden, um den Schlüssel im schwerfälligen Schloss herumzudrehen. Im Flur war es stockfinster. Erfolglos tastete sie nach einem Lichtschalter.
»Mist«, fluchte sie und machte sich im Dunkeln auf den Weg. »Wo bin ich hier?«
Es roch muffig und feucht und war so finster, dass sie sich an der Wand vortasten musste. Mehrere Türen säumten ihren Weg, alle verschlossen. Plötzlich stießen die nackten Füße des fremden Körpers gegen einen Widerstand. Tess erkannte Steinstufen vor sich, die zu einer halb geöffneten Tür führten, durch die flackerndes Licht nach unten drang.
Zu gern wäre sie die Treppe hinaufgestiegen, um sich umzusehen, doch die Zeit war fast um, das spürte sie. Es blieben ihr nie mehr als zwei Minuten. Sie drehte sich um und lief den Gang zurück. Es war besser, der Täter bemerkte nichts von der vorübergehenden Fremdübernahme. Ihr Blick fiel erneut auf das junge Opfer. Sie würde ihm so gern helfen.
Noch einmal sah sie an dem fremden Körper herab.
»Auffälliger Ring am linken Ringfinger. Gold. Filigranes Muster. Ein Kreis mit drei ineinander verschlungenen Zacken darin.« Sie sah genauer hin, konnte aber im Schummerlicht des Kellers nicht alles erkennen. »Vielleicht ein Siegelring«, intonierte sie und führte die Hände an das Gesicht, ehe ihr die Zeit davonlief. »Hohe Stirn, schulterlange Haare, schwarz oder dunkelbraun. Große Nase, kein Bart und …«

»… Vampirzähne!«

Neugierig was die Leser sagen?

„Aus einer einzigartigen Idee spinnt die Autorin hier einen absolut gekonnten mystischen Thriller, der regelrecht süchtig macht. Endlich wieder ein Auftakt, der mein vampirisches Fantasyherz komplett zufrieden stellen konnte. Eine Gabe oder ein Fluch? Gefährlich, blutig, fantastisch! Das erste Herbsthighlight 2016! Absolutes Must Read für alle Fantasyliebhaber 5 von 5 Sterne mit +“ (Lesermonsterchens Buchstabenzauber)

„Was für ein genialer und alles entfesselnder Auftakt der neue Reihe von Sandra Florean.
Ich bin begeistert, von den Socken und vollkommen geflasht.
Eine Fantasy-Reihe mit Thrillerelementen und geballter Kraft an Leidenschaft. Eine absolut gelungene Mischung, die hervorragend miteinander kombiniert wurde.“ (Magische Momente)

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