Kritische Töne eines Bloggers

Ich bin noch nicht sehr lange in der Welt der Blogger unterwegs, dennoch möchte ich mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg halten. Die Abgründe, die sich in den letzten Wochen und Monaten auftaten, brachten mich dazu, auch mal kritische Töne anzuschlagen. Auch als Blogger hat man direkten Kontakt zu verschiedenen Autoren, in Gruppen bekommt man mit, welcher raue Ton dort mitunter  herrscht. Ich habe diesen Artikel mit Absicht überspitzt verfasst, um jeden Einzelnen zum Nachdenken anzuregen und sich auch vorher zu überlegen, auf was für einen Kampf im großen Ozean er sich einstellen muss. Vielleicht geht damit auch dem einen oder anderen ein Licht auf und denkt über seine Art und Weise nach. Mir war es wichtig, wach zu rütteln und die Folgen offen zu legen. Vor allem sollte wieder mehr miteinander geredet werden, statt den anderen in ein schlechtes Licht zu rücken.

Der Autor Allgemein
Quelle: privat

Da wäre zunächst das Verhältnis unter den Autoren. Die einen lassen vieles über sich ergehen und helfen auch Kollegen und Kolleginnen mit Zuhören und guten Ratschlägen. Geben Tipps zur Recherche oder lesen das Geschriebene quer. Sie bestärken den Kollegen und sehen ihn nicht als Konkurrenz an. Wenn die Chemie stimmt, gehen sie sogar über das Kollegiale hinaus. Teilen in den Netzwerken die Beiträge untereinander und erreichen so eine breite Leserschaft. Treten auch bei Messen auf und organisieren gemeinsam Meet & Greets.
Es gibt Autoren, die bereits ihre Geschichte über einen Verlag veröffentlicht haben. Aber sind sie deswegen etwas Besseres? Nein, sind sie nicht. Es sind auch nur Personen, die morgens ihren Kaffee oder Tee trinken, mittags etwas Warmes essen und sich abends mit der Familie vor dem TV setzen oder sich mit Freunden treffen. Sie bekommen durch ihren Verlag Unterstützung in der Vermarktung, brauchen in der Regel nichts für Leistungen bezahlen, die vor einer Veröffentlichung anfallen, denn das zahlen sie indirekt mit den Tantiemen.
Dann ist da noch die große Masse, die ebenfalls im Becken schwimmt, die sogenannten Selfpublisher. Diese Gattung der Autoren muss bereits vor der Veröffentlichung seines Werkes eine Menge Zeit und auch Geld investieren, bevor überhaupt etwas zurückkommt. Kosten, die in Form eines Lektorats, Korrektorats und zu guter Letzt einer Covergestaltung anfallen. Das können gut und gerne 1.500 Euro und mehr sein. Da sind die Kosten für Lesezeichen & Co. noch nicht eingerechnet. Die sind meistens mal mehr mal weniger, je nach Wahl.

Der Selfpublisher beginnt in den Tagen vor der Veröffentlichung mit ersten Posts auf seiner Autorenseite und in den sozialen Netzwerken. Wenn es gut läuft, hat er sich bereits im Vorfeld ein kleines Netzwerk aus Autorenkollegen, Bloggern und Testlesern aufgebaut. Diese Personen unterstützen und bestärken den Neuling in seinem Vorhaben. Was der Idealfall für jeden Autor wäre. Doch nicht nur ein gesundes Netzwerk ist wichtig, auch die Meinung der breiten Leserschaft ist gefordert.
Die ersten Rezensionen sind meistens positiv, da sie von Bloggern und Testlesern stammen. Erscheint dann die erste negative Meinung, bekommt das Gerüst einen leichten Dämpfer. Mit Glück wird dem Autor aufgezeigt, wo die Schwächen in seinem Buch liegen. Damit kann ein Autor umgehen und in seinem nächsten Buch daran arbeiten. Hinderlich sind jedoch Äußerungen, die lediglich aus »Hat mir nicht gefallen.«, »Ist nicht mein Geschmack.«, »Habe mir etwas anderes vorgestellt.«, bestehen. Damit kann kein Autor arbeiten.

Titelschutz und Cover
Quelle: Pixabay
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Kommen wir nun zum Gezicke oder besser Shitstorm unter den Autoren. Da stellt man als Selfpublisher seinen ersten Post mit der Ankündigung der Neuerscheinung in einem sozialen Netzwerk ein. Die allgemeine Leserschaft ist hocherfreut.
Was aber passiert, wenn jemand sich den Titel hat schützen lassen? Da lohnt sich ein Blick in das deutsche Markenrecht. Ist man sich jedoch unsicher, so hilft die Nachfrage bei einem Juristen. Der Idealfall dabei ist, wenn beide Parteien sich austauschen und nach einer Lösung suchen ohne dabei das Gesicht zu verlieren. Denn für jeden Autor ist die Veröffentlichung eines neuen Buches nervenaufreibend und bringt Gefühle zum Vorschein, die sich binnen Sekunden ändern können.
Wer nun denkt, damit ist alles geklärt, und der Autor kann sich auf die Veröffentlichung konzentrieren, der täuscht.
Auch wenn nun über die Wahl des Titels Klarheit herrscht, kommt es nicht selten vor, dass ein Autor angefeindet wird, weil sich Coverelemente ähneln oder andere meinen, dass sie sich ähneln und sei es nur, dass es sich um eine gleiche Farbe oder gar den Himmel handelt. Darf man dann für das Cover auch keinen Himmel mehr verwenden, da dieser Gottes Eigentum ist? Zudem ist der Autor in seinem Impressum verpflichtet, seine Quellen für Bildmaterial offenzulegen.
Daher Augen auf bei der Titelwahl und der Covergestaltung.

Shitstorm
Quelle: Pixabay
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Ein  Beispiel für die Hetze unter Autoren ist der Aufruf einer Selfpublisherin, dass sie auf der Suche nach einem Praktikanten sei. Teilt im Gesuch auch direkt mit, was die Aufgaben sind und welche Voraussetzungen gewünscht sind. Es ist auch klar zu erkennen, dass es sich um ein bezahltes Praktikum handelt. Da bricht in sämtlichen Portalen ein Shitstorm los, der seinesgleichen sucht. Wie kann sich eine Autorin so etwas anmaßen? Sucht hingegen ein Verlag nach Volontären, die im Grunde nichts anderes sind, wird das so hingenommen und nicht mit dem Finger drauf gezeigt. Warum wird da mit zweierlei Maß gemessen? Ein Selfpublisher ist ein Unternehmer mit einer Gewinnerzielungsabsicht, der auch seine Abgaben hat. Daher ist es das gute Recht, sich Unterstützung mit ins Boot zu holen. So ganz nebenbei ist auch ein Lektor, Korrektor oder Coverdesigner eine Art Angestellter des Selfpublisher, der für seine Arbeit bezahlt werden möchte.

Eine andere Art, die wohl viele aus dem privaten Umfeld kennen dürften, sind die Anfeindungen über einen anderen Kollegen. Da wird sich bei der vermeintlichen Freundin über das Werk eines anderen Autors ausgelassen, ja sogar von Verbrennung oder Versenkung im Fluss ist dabei die Rede. Es wird sogar behauptet, dass dieser absolut kein Talent hätte. Seine Meinung äußern darf man sicher, aber sollte man dabei sehr vorsichtig sein. Das Skandalöse an diesem Beispiel ist, dass dargestellte Autorin nun die beste Freundin der Autorin ist, deren Werk sie vor Wochen noch verbrennen wollte. Da stellt sich mir in dem Moment die Frage, wer hier ein falsches Spiel spielt. Anstatt den Kollegen zu respektieren, wird er erst niedergemacht und dann schleimt man sich bei ihm ein. Ob der Autor Talent hat, entscheidet letztlich die breite Masse der Leser und nicht eine einzelne Person.
An dieser Stelle sollte erwähnt sein, dass die Anonymität des Internets nicht schützt, denn jeder Nutzer ist anhand seiner IP (digitaler Fingerabdruck) identifizierbar. Zudem werden mit solchen Aktionen Existenzen gefährdet. Dabei ist es egal, ob dieser Shitstorm sich gegen einen Einzelnen, Verlag, Blogger, Lektor oder Testleser handelt. Ein Bekannter hat es in einem Netzwerk sehr gut auf den Punkt gebracht, was deren Folgen angeht: »Manche resignieren nur, machen ihren Laden zu, manche gehen psychisch daran kaputt, bei manchen werden dadurch die Familien zerstört, weil es einen auffrisst, wieder andere, nehmen sich das Leben, weil sie diesen Psycho-Dauer-Beschuss nicht aushalten und andere, die ziehen los und greifen die an, die das vom Zaun gebrochen haben und rächen sich.«

Testleser
Quelle: Pixabay
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Was in meinen Augen weitaus schlimmer ist, wenn ein Autor in seinen Reihen einen anderen Autor als Testleser hat. Testleser sind ja mit unter sehr hilfreich, um den Inhalt zu prüfen und grobe Schnitzer in der Rechtschreibung zu beheben. Das soll auch so sein. Der Testleser sollte absolut ehrlich sein, sich ausschließlich zum Text und deren Qualität äußern und nicht die Fähigkeiten des Autors beurteilen. Was aber passiert, wenn dieser Testleser beginnt das Werk zu zerreißen, kann sich so mancher vorstellen. Der Verfasser stellt alles Bisherige infrage und wird total verunsichert. Wem soll er glauben, dem Lektor oder dem Testleser? Im Normalfall steht der Lektor über dem Testleser. Wie gesagt, im Normalfall. Denn der Testleser ist nicht dazu befugt, die Arbeit eines Lektors oder Korrektors zu ersetzen.
Weitaus schlimmer ist dabei, dass der Testleser, der ebenfalls Autor ist, in den Rezensionen seiner eigenen Werke von Lesern mit schlechten Kritiken abgetan wird. Da wirft sich doch mir die Frage auf, ob sich dieser Autor absichtlich als Testleser meldet, um die Werke seiner Mitbewerber madig zu machen und so dessen Leser abzugreifen? Schlimmer noch, auf diese Weise eventuell Gedankengut klauen und in einer abgewandelten Form für sein eigenes Werk, das irgendwann auf den Markt kommt, zu verwenden.

Lektoren und Korrektoren
Quelle: Pixabay
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Wenden wir uns als Nächstes der Gattung Lektoren und Korrektoren zu. Diese sind nach mehreren Überarbeitungen durch den Autor, der größte anfallende Posten auf der Rechnung vor der Veröffentlichung. Im Durchschnitt liegen die Kosten für Lektorat und Korrektorat im vierstelligen Bereich. Ein einheitliches Berechnungsmodell gibt es hierbei nicht. Da dies eine freischaffende Kunst ist, kann sich jeder sein Modell selbst gestalten. Am gängigsten ist dabei die Berechnung nach Normseiten.

Häufig wird der Lektor dabei nicht nur zum Auftragnehmer, sondern, wenn die Basis stimmt, auch zum Retter in der Not. Ist die berufliche Basis geschaffen, kann es auch in die private Richtung gehen und die Lektoren lernen ihren Auftraggeber mit jedem Kontakt besser kennen. Ein guter Lektor und Korrektor hat meist auch ein offenes Ohr für die Nöte und Sorgen des Autors. So können die Lektoren auch manch wirren Gedankengang besser verstehen. Erhält das literarische Werk dann einen Bonus von einem großen Onlinehändler, so stimmt dies auch die am Buch beteiligten Parteien fröhlich.
Es gibt jedoch auch Lektoren, die nach Sichtung der eingereichten Leseprobe sich so weit aus dem Fenster lehnen und nach der Nationalität fragen, nur weil der Autor nicht die exakte Satzstruktur einhält. Sei dies nicht genug wird ihm auch noch Talentfreiheit bescheinigt. Dass eine solche Aussage das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl des Autors schädigt, sollte wohl klar sein. Der Autor beginnt zu zweifeln und fragt sich nun bei jedem Buch, das er herausbringen möchte, ob es gut genug ist. Der Erfolg seiner Verkäufe und die Meinung der Leser sind auch hier ausschlaggebend. Denn daran wird heute ein Autor gemessen.

Blogger
Quelle: Pixabay
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Dann kommen wir als Letztes zur Zunft der Blogger. Manche Leser lassen sich zu der Äußerung hinreißen, dass diese Spezies nur die Bücher und  Goodies in Form von Lesezeichen, Postkarten etc. abgreifen würde. Dem ist jedoch nicht mal ansatzweise so. Ein Blogger ist mehr als nur ein Leser. Er ist Tippgeber, Organisator und natürlich auch Leser.
Nur wieso ist ein Blogger ein Tippgeber? Ganz einfach, er kann durch seine Meinung die Bekanntheit des Autors steigern mit Hilfe seines eigenen Netzwerkes, das er sich über einen langen Zeitraum aufgebaut hat. Zudem bringt es dem Autor Reichweite und neue Leser, mit denen der Autor wiederum Geld verdient, um die Kosten für sein nächstes Buch vorzufinanzieren.
Was aber organisiert ein Blogger? Ein Blogger nimmt an Leserunden teil, die teilweise durch den Autor oder auch von Bloggerkollegen organisiert werden. Auch ein Gewinnspiel will geplant sein. Denn hier hat der Leser die Chance, Bücher, Lesezeichen oder andere Dinge zu gewinnen, die er vorher für solche Zwecke zur Verfügung gestellt bekam. Auch die Organisation einer Blogtour erfordert einiges an Planung. Nur mit der Teilnahme an einer Blogtour ist es nicht getan. Er muss sich auch die Themen dazu überlegen. Die Teilnehmer dieser Touren haben im Vorfeld einiges an Recherche geleistet, damit ein Beitrag erst so wird, wie er am Ende für die Leser online geht.
Viele der Blogger bekommen direkt Anfragen der Autoren, ob diese ihr Werk lesen und rezensieren möchten. Die wenigsten Blogger gehen den umgekehrten Weg.
Was aber passiert, wenn das Buch nicht das hält, was der Klappentext verspricht? Ich gehe dabei den Weg der direkten Kontaktaufnahme, um den Autor auf die Schwächen hinzuweisen und einen Hinweis zu geben, dass sein Buch keine 5 Sterne auf einem Onlineportal erhält und auch die Bewertung auf der Homepage negativ ausfallen wird. Ich habe es selbst erlebt, dass ein Autor mir schrieb, ich solle auf die Rezension verzichten. Doch das ist nicht meine Intention. Auch wenn eine Meinung nicht so ausfällt, wie der Verfasser es wünscht, so ist diese doch eine ehrliche und konstruktive Kritik.

Letzte Worte
Quelle: Pixabay
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Es dauert seine Zeit bis der Autor aus dem großen wirren Ozean sein perfektes Team gefunden hat. Hat er es einmal gefunden, so tauscht er nicht leichtfertig einen Fisch aus, denn es hat sich auch ein gewisses Vertrauen im Laufe der Zusammenarbeit gebildet.

Was ein Autor zum Überleben auf jeden Fall braucht, ist ein starkes Selbstbewusstsein, Durchhaltevermögen, eine starke Familie und Freunde, die ihn auch in schlechten Tagen unterstützen. Mit all diesen Dingen kann er im Haifischbecken überleben ohne dabei die Ellenbogen ausfahren zu müssen. Begegnet euch mit Respekt, denn ein jeder will respektiert und akzeptiert werden.


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